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Historisches

Dessau – ein Ort mit antisemitischer Tradition

Im damaligen Land Anhalt dominierte die NSDAP bereits 1932 den Landtag, wobei Dessau zu diesem Zeitpunkt bereits ein bedeutend ideologisches und verwaltungstechnisches Zentrum der Nationalsozialisten darstellte. Bei den entsprechenden Wahlen im April 1932 wurde die NSDAP mit 15 Mandanten (vormals gerade 1 Mandat) stärkste Fraktion, 6 dieser kamen dabei aus Dessau. Die NSDAP stellte zudem mit Alfred Freyberg den Ministerpräsidenten in einer Koalitionsregierung. Später wurde Dessau sogar Gauhauptstadt, obwohl der Gau offiziell „Magdeburg-Anhalt“ hieß. Diese Entwicklung war nur möglich, weil es bereits in den 1920iger Jahren gut funktionierende völkisch-nationalistische Strukturen und einen organisierten Antisemitismus gab.

Dass Dessau für die Nationalsozialisten nicht irgendein unbedeutender Fleck auf der Landkarte war, zeigen zahllose Veranstaltungen im Kristallpalast mit hochrangigen Funktionären innerhalb der Parteihierarchie. So traten u.a. Gregor Strasser (SA-Führer), Fritz Sauckel (später Gauleiter in Thüringen und Reichsbevollmächtigter für die Fremdarbeiter), Joseph Goebbels und Adolf Hitler in Dessaus größtem Saal auf. Am 31. Oktober 1931 schließlich, am Vorabend der anstehenden anhaltischen Kommunalwahlen, nahm Adolf Hitler stehende Ovationen in Empfang. Hitler sprach am 23. Juli 1932 nochmals in Dessau, diesmal allerdings unter freien Himmel. Der Kristallpalast reichte für die Zigtausenden von Nazianhänger in Dessau längst nicht mehr aus.

Am 01. April 1933 erging der erste öffentliche Boykottaufruf gegen jüdische Geschäfte, Arztpraxen und Handwerkerbetriebe. Am 09. November brannte auch in Dessau die Synagoge und der israelitische Friedhof wurde geschändet. Nachdem alle in Dessau verbliebenen Juden in einer Tageszeitung mit Namen und Adressen, ein offener Pogromaufruf, veröffentlicht wurden, folgten Plünderungen und Zerstörungen jüdischer Geschäfte.

Dessau – keine unschuldige Stadt

Am 07. März 1945 griffen alliierte Bomberverbände Dessau an. Die Stadt an der Mulde war nicht nur ein Zentrum der Nazi-Rüstungsindustrie, in der für die verbrecherische deutsche Wehrmacht u. a. Kampfflugzeuge und Munition produziert wurden. In Dessau befand sich zudem der Hauptproduktionsort des Schädlingsbekämpfungsmittel Zyklon B. Mit diesem Giftgas ermordeten die Nationalsozialisten industriell Millionen Menschen, vor allem Juden in den Vernichtungslagern. Tausende von ZwangsarbeiterInnen aus ganz Europa mussten unter unmenschlichen Bedingungen in den Betrieben Sklavenarbeit verrichten.

Im Gegensatz zur deutschen Zivilbevölkerung wurde den ZwangsarbeiterInnen bei Luftangriffen der Zugang zu Schutzräumen verwehrt. Entsprechend viele Menschen kamen deshalb bei den Angriffen ums Leben. Sie waren Opfer, aber nicht etwa der alliierten Bombardierungen, sondern die der fanatischen Volksgenossen. Einigen gelang, begünstigt durch das Chaos der Kriegshandlungen, die Flucht aus den Lagern. Am 21. April 1945 befreiten amerikanische Truppen die am Leben gebliebenen Opfer des Naziterrors in Dessau.

Dessauer „Zeitungszeugen“ aus dem Jahre 1940

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